Nr. 13: Rennspiel Börse

Ein Schachgroßmeister benötigt etwa 650 Millisekunden um zu erkennen, dass er schachmatt gesetzt wurde. In der Welt der „Hochfinanz“, was auch immer das genau ist, wäre dies ein erbärmliches Schneckentempo.

Im Jahr 2011 wurde ein britisches Unternehmen beauftragt, ein neues Glasfaserkabel zwischen den Finanzmetropolen New York und London zu verlegen. Dieses Kabel erlaubt eine Datenübertragung zwischen den Tradern New Yorks und Londons in nur 59 Millisekunden. Es sei gesagt, dass natürlich bereits ein Glasfaserkabel zwischen diesen Börsen existierte. Das alte ist aber ganze 6 Millisekunden langsamer.

Sogenannte Experten wollen herausgefunden haben, dass dieser Zeitgewinn den Hedge Fonds 100 Millionen US-Dollar pro Millisekunden und Jahr bringen soll.

 

Das der Finanzmarkt immer schneller und komplexer wird, macht sich auch bei der durchschnittlichen Haltedauer von Aktien bemerkbar. In den 50iger Jahren wurden in den USA Aktien durchschnittlich 4 Jahre gehalten, ehe sie wieder verkauft wurden. 2004 betrug diese Zeitspanne nur noch 4 Monate. Im Jahr 2010 wurde gar ein Mittelwert von nur zweiundzwanzig Sekunden ermittelt.

 

22 Sekunden. Man fragt sich, wie kann es sein, und darf es überhaupt sein, dass es sich lohnt, für 22 Sekunden ein Stück Papier virtuell zu besitzen und anschließend wieder zu verkaufen. Ist es gerechtfertigt, dass gigantische und Ressourcen verschwendende Rechenzentren dafür Tag und Nacht arbeiten, damit nach 22 Sekunden Aktien den Besitzer wechseln?

Die Gewinnmargen in diesen 22 Sekunden sind in der Regel kleine Centbeträge, wenn überhaupt. Doch da Milliarden umgesetzt werden und dies immer und immer wieder, häuft sich ein ordentliches Sümmchen zusammen. Die Masse an Umsätzen macht diese Methodik überhaupt erst lukrativ und eine Börsenumsatzsteuer würde dieses Geschäft übrigens zunichtemachen.

 

Ich plädiere für eine Aktienmindesthaltedauer von 2 Jahren. Wozu wäre das gut? Momentan interessiert den Investoren offensichtlich nicht die Art und Weise, wie ein Unternehmen arbeitet. Die Nachhaltigkeit scheint nicht zu interessieren, so lange kurzfristige Profite generiert werden können. Eine längere Aktienhaltedauerpflicht würde nachhaltig und transparent arbeitende Unternehmen unterstützen. Wir sollten uns im Klaren sein, dass Investoren, Banken und Versicherungen, also Institutionen, die Geld verteilen, eine für die demokratische Gesellschaft wichtige Aufgabe wahrnehmen. Wenn sie nicht von alleine nachhaltige investieren oder aufgrund von Konkurrenzdruck nicht investieren können, muss kurzfristiger Profit schlicht und einfach uninteressant gemacht werden. Oder eben verboten werden.

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Nr. 12: Off Topic: Angst und die Parallelen zur Weimarer Republik

"Eine Schande für Deutschland“ sei Pegida. Die Demonstranten seien ein rechter Mob. Sie seien vor allem aber dumm. Egal ob auf Twitter oder Facebook oder im Fernsehen und Rundfunk. Regelmäßig wird bewiesen, wie die Dummheit dort ihr Unwesen treiben würde.

Nr. 14: Die schöpferische  Zerstörung

Das klingt doch sehr pathetisch, oder nicht? Es klingt wie ein Kapitel der biblischen Apokalypse, ist aber ein wichtige Bezeichnung eines immer und immer fortlaufenden Prozesses unserer heutigen Marktwirtschaft....

©Alexander Angierski