Nr. 14: Die schöpferische Zerstörung

Das klingt doch sehr pathetisch, oder nicht? Es klingt wie ein Kapitel der biblischen Apokalypse, ist aber ein wichtige Bezeichnung eines immer und immer fortlaufenden Prozesses unserer heutigen Marktwirtschaft. Bereits Karl Marx beschrieb in seinem Kapital, dass andauernd etwas kaputt ginge und etwas neues entstehe. Er sprach dabei aber von der Zerstörung und Neuordnung einer gesamte ökonomischen Grundordnung, nicht von einem Prozess innerhalb eines geschlossenen Systems. Heute versteht man darunter folgendes: Jede Innovation, also jede Erneuerung, was in der Marktwirtschaft nichts anderes ist, als der Versuch einen Prozess effektiver zu gestalten, hat gleichzeitig eine zerstörerische Kraft.

 

Ein einfaches Beispiel:

Einst bewirtschaftete ein Landwirt sein Feld mit 10 Arbeitern, die alle davon leben konnten. Mit dem Einsatz eines Traktors braucht der Landwirt nur noch 3 Arbeiter. Er kann also durch diese Innovation seine Produktivität steigern, da für die gleiche Arbeit weniger Arbeitszeit notwendig ist. Das klingt fantastisch. Das Problem ist nur, dass 7 Arbeiter nun arbeitslos sind. Der Arbeitsplatz, eine Existenzgrundlage, wurde also zerstört. Wenn alles glatt läuft, könnten diese Arbeiter sofort beim Traktor-Produzenten anfangen. So einfach ist es aber in der Realität nicht.

 

In der Realität muss sich der Arbeiter komplett neu orientieren, da nun aufgrund von Wettbewerbsdruck jeder Landwirt einen Traktor einsetzt. Wie zynisch wäre es nun zu sagen, er hätte doch mal etwas „richtiges" lernen können. Ich glaube besser wäre es, wenn die Gesellschaft ihm nun richtig viel Geld gibt und auffordert, eine weitere Innovation zu schaffen. Das Gegenteil passiert aber leider. Der Arbeiter gilt als Verlierer, obwohl er vorab die Innovativen mit seiner Arbeit ernährt hat.

Die heutigen Studenten werden größtenteils jene sein, die in Zukunft diese zerstörerischen Schöpfungen erschaffen. Sie werden sich dafür fürstlich entlohnen lassen. Dass sie bis zu dieser Innovation aber durchweg vom Sozialstaat leben, wird nur zu gerne verdrängt.

 

Dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung läuft im kleineren, aber auch wesentlich größerem Maße ständig und überall aufs Neue ab. Es ist einerseits notwendig, da es erklärtes und auch logisches Ziel ist, mit möglichst wenig Aufwand ein bestimmtes wirtschaftliches Ziel zu erreichen. Fatalistisch ist es aber, das dadurch Zerstörte als Abfall links liegenzulassen. Frei nach dem Motto: The Winner Takes It All

 

Der Aspekt der schöpferischen Zerstörung ist das Totschlagargument für ein kräftiges und dauerhaftes Umverteilungssystem im Sozialstaat schlechthin. Die Schweden scheinen etwas davon zu verstehen. In Schweden existieren die höchsten Einkommenssteuersätze Europas, aber sie gelten komischerweise gleichzeitig als besonders glücklich. Komisch.

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Nein, finde ich nicht. Ich buhle nur sehr subtil um eure Aufmerksamkeit. Tatsächlich finde ich aber Frank Richter ganz ok. Frank Richter, Vertreter der sächsische Landeszentrale für politische Bildung, saß letzten Sonntag bei Günther Jauch und hat versucht die Pegida-Sprecherin darauf aufmerksam zu machen, dass  die Bezeichnung "Pegida" eigentlich irreführend sei.

Nr. 13: Rennspiel Börse

Ein Schachgroßmeister benötigt etwa 650 Millisekunden um zu erkennen, dass er schachmatt gesetzt wurde. In der Welt der „Hochfinanz“, was auch immer das genau ist, wäre dies ein erbärmliches Schneckentempo.

©Alexander Angierski