Nr. 15: Off Topic: Ich finde Pegida klasse

Nein, finde ich nicht. Ich buhle nur sehr subtil um eure Aufmerksamkeit. Tatsächlich finde ich aber Frank Richter ganz ok. Frank Richter, Vertreter der sächsische Landeszentrale für politische Bildung, saß letzten Sonntag bei Günther Jauch und hat versucht die Pegida-Sprecherin darauf aufmerksam zu machen, dass  die Bezeichnung "Pegida" eigentlich irreführend sei. Denn er habe sich mit vielen Demonstranten unterhalten, habe Post und Mails bekommen, und ist der Ansicht, dass der eigentliche Demonstrationsgrund sehr vieler Teilnehmer ein anderer sei.

Der Grundton der Pegida-Demonstranten ist oftmals wie folgt: „Ich/wir habe schon so wenig, jetzt können wir nicht noch Anderen was geben.“

 

Man kann diese Aussage nun als Fremdenhass interpretieren. Oder man erkennt die ökonomischen Existenzängste, verbunden mit politischer Unzufriedenheit. Ich bin froh, dass Frank Richter versucht hat, dies bei Jauch klarzumachen, auch wenn es nicht weiter aufgegriffen wurde. Umso verwirrter bin ich, dass die TAZ schreibt, dass Richter „zu viel Verständnis für Pegida“ habe. Das kann man so interpretieren. Man kann es aber auch als Dialogbereitschaft sehen.

 

Als die Pegida-Demo und die Gegendemo für den letzten Montag abgesagt wurde, stellte die Landeszentrale für politische Bildung auf Bitten der Pegida-Organisation Räumlichkeiten zur Verfügung, um eine Brücke zur Presse zu schlagen. Dies kann man nun als Schulterschluss der Landeszentrale für politische Bildung mit Pegida interpretieren. Man kann es aber für ein lösungsorientiertes kommunikatives Verhalten halten.

 

„Das geht ja gar nicht!“ twittert daraufhin Simone Peter (Grünen-Chefin). Cem Özdemir meint: „Dialogbereitschaft hin oder her. Dass Pegida ihre Pressekonferenz in der Landeszentrale f. pol. Bildung abhält, geht ein bisschen zu weit.“ Was ist die Alternative zur Dialogbereitschaft? Kommunikation ist besser als keine Kommunikation.

 

Natürlich, mir wäre es auch lieber, wenn jeden Montag 20.000 Menschen für ein gerechteres Steuersystem, für ein neues Geldsystem, für mehr Bildung, für ein einheitliche Rentenkasse ohne Beitragsbemessungsgrenze oder anderes auf die Straße gehen. Leider Gottes sieht es gerade anders aus.

 

Ich bin aber wie Frank Richter der festen Überzeugung, dass die Ursache der Demonstration nicht primitiver Fremdenhass ist. Fremdenhass ist ein Symptom. Ein Symptom für soziale Missstände, ökonomische Existenzängste und mangelnde Bildung. Die Politik kann nun sagen, die sind doof. Oder sie sagt, wir verändern jetzt die sozialen Missstände. Wir sorgen jetzt für mehr Gerechtigkeit. Wenn nichts passiert, dann wäre das Wasser auf den Mühlen von Pegida. Nicht wie die sächsische Regierung meint, weil Frank Richter mangelnden Dialog auf allen Seiten feststellt.

 

Einen eigenartigen Geschmack hat es übrigens, dass wir (berechtigte) Sorgen um wachsenden Fremdenhass haben, aber es locker hinnehmen, dass die EU die Grenzen für Flüchtlinge dicht macht. Der Fremdenhass scheint auch ganz oben zu sein.

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©Alexander Angierski